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WDR Big Band w/t Nicolas Simion

WDR Big Band - „Balkan Jazz“
Der „Balkan Beat“ wird seit einigen Jahren sehr groß geschrieben. DJs und Pultmeister heben die verzwickten Rhythmen und wirbelnden Melodien zwischen Bukarest und Budapest auf den Dancefloor, mischen Slibovitzlaune und Clubatmo. Doch neben diesem Ost-Hype siedelt in souveräner Majestät und zugleich  spielfreudigem Überschwang eine von Modeströmungen unabhängige Erscheinung: Balkan Big Band statt Big Beat! Eine ihrer spannendsten Ausprägungen fand sie vor sieben Jahren, als sich der rumänische Tausendsassa NICOLAS SIMION mit der WDR Big Band Köln zusammenfand. Erstmals kann der kongeniale Balkan Jazz  des rumänischrheinischen Teams jetzt auf CD genossen werden.

“Balkan Jazz“ ist das stolze Brainchild von Nicolas Simion. Der 1959 in den Siebenbürgener Karpaten geborene Saxofonist und Multiinstrumentalist ist mit allen Wassern gewaschen: Nach einem Musikstudium in Bukarest kommt er in den Achtzigern nach Wien, um seine Klangvisionen zu realisieren. An der Donau trifft er auf Jazzer wie Christian Muthspiel, Art Farmer, Idris Muhammad, Tomasz Stanko und den langjährigen Duopartner Mal Waldron. Sein Recording-Katalog beginnt  bereits im Jahre 1992 mit dem Album „The Black Sea“, parallel dazu macht er sich einen Namen als Komponist, mal zeitgenössisch, mal jazzig für Bläser und  Orchester. Verstärkte Aufträge in Deutschland führen zur Übersiedlung nach Köln, seine Wahlheimat bis zum heutigen Tag. Im neuen Millennium rückt für Nicolas Simion die Beschäftigung mit seinen Wurzeln in den Mittelpunkt. In vielen kreativen Etappen verschmilzt er die Folklore Rumäniens und des gesamten Balkans mit den verschiedensten Jazz-Settings: Von einer Kollaboration mit Trompeter Tomasz Stanko, über Quartett- bis Septett-Besetzungen seines Programms „Transylvanian Jazz“ bis hin zu einem „Ethno“-Quintett. Ein besonderes Highlight unter diesen interdisziplinären Arbeiten stellt 2004 das Zusammentreffen mit  der renommierten WDR Big Band dar. “Balkan Jazz“ ist nicht mehr und nicht weniger als die fulminante Fortsetzung der Simionschen Wurzelarbeit mit orchestralen Mitteln, detailverliebt und delikat arrangiert vom langjährigen WDR Big Band-Chef Bill Dobbins. Die Einspielungen basieren auf Kompositionen Simions, die den  Reichtum der traditionellen Musik reflektieren. Doch bestehen die atemberaubenden Aufnahmen keineswegs nur aus Bigband-Sound: Simion siedelt sein internationales Quintett an Geige (Zoltán Lantos), Akkordeon (Fausto Beccalossi), Drums (Benjamin Henocq) und Percussion (Kruno Levacich) mitten in den Orchesterklang hinein. Gerade diese Interaktionen, an denen er als Multi-Blaswerker an Sax, Klarinette, Tarogato (ein ungarisches Rohrblattinstrument) und Kaval (eine bulgarisch-mazedonische Flöte) selbst aktiv mitmischt, machen den besonderen Reiz dieser Scheibe aus.